
Alljährlich, an einem Sonntag im August, gedenkt das Volk der Hereros seiner Ahnen. Ein traditionelles Fest mit eigenwilliger Kleiderordnung.Sontagmorgen, 5.30Uhr: Ein staubiger, grasloser Platz unweit des kleines Städtchens Okahandja in Zentralnamibia füllt sich langsam mit Menschen. Halbwüchsige Jungen in Militäruniformen marschieren im Stechschritt durch die Morgendämmerung. Mütter, Töchter und Großtanten überprüfen ein ums andere mal den korrekten Sitz ihrer wallenden Kleider und ihres kunstvollen Kopfschmucks. Männer mit funkelnden Orden, blitzblanken Reiterstiefeln und adretten Kostümen diskutieren gestenreich das bevorstehende Großereignis: Es ist Hererotag! Jedes Jahr im August gedenken die Hereros an diesem ansonsten verschlafenen Ort ihrer großen Häuptlinge Tjamuaha, Uereani und Maharero. Sie sind überzeugt, dass die Chiefs und alle sonstigen Verstorbenen nicht wirklich tot sind, sondern in einer anderen Existenzform weiterleben. Diese "Lebend-Toten" bleiben den Sippen und Familien verbunden, solange ihre Namen nicht in |
Vergessenheit geraten - und
solange ihrer auf dem alljährlichen Fest in Okahandja gedacht wird.
Ein Mund voll WasserNeuankömmlinge müssen eine genau
festgelegte Begrüßungszeremonie über sich ergehen lassen. Unter
lautem Gejohle der Anwesenden drehen Männer, Frauen und Kinder zwei
Runden auf dem großen, staubigen Rondell. Dann nimmt der
Zeremonienmeister einen Mund voll Wasser und sprüht jedem
Stammesmitglied eine reichliche Ladung mitten ins Gesicht. Die kultische
Reinigung ist erfolgt: Der Gast ist willkommen. |
Das Volk der Hereros zählt heute etwa 120.000 Menschen. Erst im 18.Jahrhundert kamen sie aus dem Norden und besiedelten das Gebiet des heutigen Namibias. Noch immer gilt die Rinderzucht als Lebensinhalt. Auch wer in der Stadt wohnt, pflegt den Kontakt zu den Verwandten auf dem Lande durch häufige Besuche. Das alljährliche Hererofest ist wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität. |
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Während der Deutschen Kolonialzeit bekämpften sich Hereros und die kaiserliche Schutztruppe in der "Schlacht am Waterberg". Viele Hereros starben im Kampf, andere flohen in die Wüste, wo Tausende umkamen. Heute haben die Hereros ein entspanntes Verhältnis zu den Deutschen, wenn auch hin und wieder finanzielle Wiedergutmachungsforderungen laut werden, zuletzt beim Namibiabesuch des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog 1998. |
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Während noch immer
Nachzügler eintreffen, kommt langsam Struktur in das schwarzbunte
Menschengewirr. Was eben noch planlos aussah, fügt sich gut eingeübt
in Dreierreihen zusammen. Jeder kennt seinen Platz im Zug zu den
Ahnengräbern, ein Vormann erteilt knappe Anweisungen. Uniformierte
Reiterstaffeln und Schaulustige säumen den zwei Kilometer langen Weg. |
Wie die Hörner von RindernAllen Hererotrachten gemein
ist die dreieckige Kopfhaube. Dieses Schmuckstück aus Stoff wird einzig
durch Spangen zusammengehalten. Nadel und Faden sind verpönt. Seitlich
spitz zulaufend, gilt die Kopftracht den Hereros als Symbol für die
Hörner von Rindern. Denn Hereros sind seit Generationen leidenschaftliche
Viehzüchter. Die Größe und vor allem die Gesundheit der Rinderherden
bedeuten Status und Wohlstand zugleich. |